Die alte Frau und der See

Die alte Frau und der See. Winter am Baikal (Film & Gespräch)

Lubov – das ist russisch und heißt Liebe. Ihre Eltern wussten was sie taten, als sie ihr vor 80 Jahren diesen Namen gaben. Heute ist sie Großmutter, lebt allein und erzählt von einer Liebe, die so weit und so tief ist, wie das Objekt ihrer Liebe selbst: der Baikal-See in Sibirien.

Öffentliche Vorstellung im Rahmen des Film- und Medienforums Niedersachsen. Zu Gast ist Regisseurin Vivien Pieper.

Lubov – das ist russisch und heißt Liebe. Ihre Eltern wussten was sie taten, als sie ihr vor 80 Jahren diesen Namen gaben. Heute ist sie Großmutter, lebt allein und erzählt von einer Liebe, die so weit und so tief ist, wie das Objekt ihrer Liebe selbst: der Baikal-See in Sibirien. Hier kann meine Seele fliegen“, sagt sie. Dass ihr Rücken krumm geworden ist, ihre Hände frieren und sie bei Minus 37 Grad ein Loch ins Eis schlagen muss, um an Wasser zu kommen, nimmt sie in Kauf. Der Baikal ist alles für mich“.

Doch den Schnee auf ihrem See, den mag sie nicht. Im Winter kann sie nicht Autofahren und muss auf Schlittschuhen ins nächste Dorf. Solange der Wind den Schnee nicht wegbläst, ist jeder Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten. Und dann ist sie allein mit ihren dunklen Gedanken. Allein vor dem Feuer ihrer kleinen Hütte denkt sie an all ihre Lieben, die schon gestorben sind. Ihren Bruder nahm der Baikal. Und am Tod zweier ihrer Kinder trägt ihr Mann die Schuld. Davon ist Babuschka Lubov überzeugt.

Die Liebe zu einem Mann bringt nicht immer Gutes in dein Leben“, sagt sie. Sie weiß: Wenn sie glücklich sein will, dann muss sie sich selbst um dieses Glück kümmern. Ihre Kühe, den Baikal und ein paar Schlittschuhe – dann schwebt Babuschka Lubov fast schwerlos über das Eis. Und ist eins mit ihrer Liebe.