Freistaat Mittelpunkt

Freistaat Mittelpunkt (Film und Gespräch)

FREISTAAT MITTELPUNKT erzählt die Geschichte des Altonaer Bürgermeisters im Exil“. Nach seiner Internierung und Zwangssterilisierung unter den Nationalsozialisten und vor der verweigerten Wiedergutmachung in der Bundesrepublik entscheidet sich Ernst Otto Karl Grassmé für ein Leben im Moor.

Regisseur Kai Ehlers stellt seinen Film persönlich vor. Zusammen mit Dr. Carola Rudnick (wissenschaftliche und pädagogische Leiterin der Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg) findet im Anschluss an den Film ein Publikumsgespräch statt.

Freistaat Mittelpunkt

FREISTAAT MITTELPUNKT berichtet von einem Kapitel der nationalsozialistischen Diktatur, Eugenik, von dem mangels Lobby und Eloquenz wenig aus der Perspektive der Betroffenen an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Aber Ernst Otto Karl Grassmé hat bezeugt, was ihm widerfahren ist und was er sich für sein Leben gewünscht hat. In zahlreichen Briefen an ein Teenager-Mädchen aus der Nachbarschaft, in der er vielleicht das Kind gesehen hat, das ihm durch Zwangssterilisation verweigert wurde, erzählt er. Die Briefe künden vom Leid in der Nazidiktatur und der verweigerten Wiedergutmachung im Nachkriegsdeutschland, aber auch von seinem Humor und seinem Kampf für ein Leben in Würde: Im Wald, abseits von der Gesellschaft, die sie ihm zu nehmen versucht hat.

Der Film gewährt eine einmalige subjektive Perspektive auf die grausame Praxis der Eugenik und ihre langanhaltende Wirkung. Er stellt die Frage, was das eigentlich ist: ein souveränes Leben.

Kai Ehlers

Regisseur Kai Ehlers, in West-Berlin aufgewachsen, studierte Regie und Kamera an der Filmakademie Baden-Württemberg, sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der FU Berlin. Er ist freiberuflich als Autor, Regisseur, Bildgestalter und Produzent für Dokumentarfilme tätig und lehrt an Schulen und Hochschulen. Parallel arbeitet er als Videoküstler und Filmkurator. Bei seiner Arbeit für die Arthur Boskamp-Stiftung begegnete ihm die Geschichte Grassmés. Schwerpunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung ist deutsche Zeitgeschichte.

Dr. Carola Rudnick ist seit 2012 wissenschaftliche und pädagogische Leiterin der Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg und als solche hat sie verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt, u.a. zu Zwangssterilisation in der Region. Aus diesen sind Sonderausstellungen und wissenschaftliche Publikationen entstanden. Jährlich klärt sie bis zu 100 Schicksale von Opfern rassenhygienischer Verfolgung auf und unterstützt Angehörige und Nachfahren bei der Spurensuche.

Mir hat man immer gesagt, der Führer hat es angeordnet.“
Ernst Otto Karl Grassmé

Zeitgleich zum Kinostart wird ein Online-Archiv die subjektive Perspektive von Ernst Otto Karl Grassmé um Stimmen von Zeitzeug*innen ergänzen, die ihn ab den vierziger Jahren bis zu seinem Tod 1991 aus ihrem eigenen Erleben beschreiben. Daneben werden Dokumente wie Briefe, Akten und Fotografien in chronologisch-thematischen Kapiteln vorgestellt und kontexualisiert. Die Themen Eugenik und Schizophrenie werden darüber hinaus von Fachleuten in ihrer historischen Entwicklung und Bedeutung bis heute erörtert.

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